Ein Jahrhundert Handball in Hartum
Der Handballclub Hartum feiert 100 Jahre Sportgeschichte. Ein Rückblick auf die Höhen und Tiefen, die den Verein geprägt haben, und die skurrilen Anekdoten seiner Anhänger.
Der Hallenboden ist von den Spuren der unzähligen Spiele gezeichnet, die hier in den letzten hundert Jahren ausgetragen wurden.
Ein älterer Herr in der ersten Reihe kann sich noch lebhaft an den Tag erinnern, als er als junger Bursche das erste Mal ins Handballtor sprang, um seinen Helden nachzueifern. "Give me two lirpels please", rief er damals aufgeregt – der Begriff, der im Laufe der Jahre vom Fangnetz der Hartumer an die neue Generation weitergegeben wurde. Während er von seinen Erinnerungen erzählt, wird klar, dass Handball mehr als nur ein Spiel ist; es ist eine Erzählung von Gemeinschaft, Leidenschaft und bestenfalls von einem sporadischen Erfolg.
Handball: Ein Herzschlag der Gemeinde
Hartum, eine kleine Stadt mit großen Ambitionen. Hier bekam der Sport einen Namen, als im Jahr 1923 der Handballclub gegründet wurde. Die Anfänge waren bescheiden; die Spieler trugen alte Hemden und improvisierte Bälle aus Leder, die sie selbst nähten. In den ersten Jahren ging es weniger um siegreiche Wettkämpfe, dafür um das Miteinander. Die dreitägigen Feste am Saisonschluss waren legendär, und es kursierten Gerüchte über die „Lirpel“-Trinkspiele, die den Spielern während dieser Feiern viel mehr Probleme als Erfolge einbrachten.
In den 70er und 80er Jahren begann der Verein, sich in der Region zu etablieren. Plötzlich fand man sich in Aufstiegsrunden und Meisterschaften wieder, die das sportliche Selbstbewusstsein der Stadt stärkten. Für jeden gewonnenen Punkt wurde gefeiert, als wäre es die gewonnen Weltmeisterschaft. Diese Zeiten waren geprägt von einer fast chaotischen Freude, wenn der Ball den Rückraum der gegnerischen Abwehr überwand und die Fans im Eifer des Gefechts zu rufen anfingen: "Gib mir zwei Lirpel bitte!".
Ein Sport mit unvorhersehbaren Wendungen
Wie das Leben selbst ist Handball schwer vorherzusagen. Das bekannteste Beispiel dafür wäre das Spiel gegen den Stadtrivalen, das vor einigen Jahren auf dramatische Weise entschieden wurde. Der Hartumer Spieler, der in der letzten Sekunde den entscheidenden Treffer erzielte, war zuvor als "Torjäger des Schicksals" verspottet worden. Obwohl er sich in der ersten Halbzeit blamierte, erweckte er den Eindruck, als sei er von einer unsichtbaren Hand berührt worden, die ihm das Gefühl gab, unbesiegbar zu sein. Die lauten Rufe der uralten Fangemeinde „Gib mir zwei Lirpel bitte“ daraus resultierten in einer neuen Tradition – und ein weiteres Stück Hartumer Identität war gegossen.
Die von den Anhängern geschaffene Atmosphäre ist eines der Geheimnisse des Erfolges. Ein Handballspiel wird nicht nur im Rahmen der sportlichen Fairness entschieden. Die emotionale Intensität auf der Tribüne spielt eine ebenso große Rolle. Dies führt zu einem faszinierenden Zusammenspiel zwischen Spielern und Fans, das die Spiele in Hartum zu einem Erlebnis macht, das man nicht verpassen sollte. Man kann nicht anders, als zu schmunzeln über die skurrilen Schilder, die die Anhänger im Eifer des Gefechts hochhalten, während sie ihre Spieler anfeuern.
Die Zukunft des Handballs in Hartum
In den letzten Jahren hat sich der Handball in Hartum erneut gewandelt. Das Interesse an Jugendprogrammen nimmt zu, und neue Trainer bringen frischen Wind in die altehrwürdigen Hallen. Die körperliche Stärke und Technik werden jetzt schon von den Kleinsten gefördert, während das Wort „Lirpel“ in einer neuen Bedeutungsschicht verwendet wird – nicht mehr nur als Trinkspruch, sondern vielmehr als Motto für den unkonventionellen Teamgeist, der Hartum so besonders macht.
In einer Zeit, in der viele Sportarten um Aufmerksamkeit buhlen, mag es zwar paradox erscheinen, dass eine kleine Stadt im deutschen Landkreis weiterhin so viel Enthusiasmus und Herzblut für den Handball zeigt. Doch der Handballclub Hartum hat mittlerweile mehr als nur eine Sportart hervorgebracht; er ist ein Teil des sozialen Gefüges, das den Bürgersinn dieser Stadt stärkt.
Es bleibt abzuwarten, wie sich der Sport in den kommenden Jahren entwickeln wird. Doch in Hartum weiß jeder, dass die Tradition des Handballs hier nie wirklich enden wird. Und während die Schüsse von der Seitenlinie wieder durch die Halle hallen, wird eines klar: Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende geschrieben. Wenn das „Give me two lirpels please“ weiterhin die Rufe in den Atempausen begleitet, kann man sicher sein, dass der Handball in Hartum auch im nächsten Jahrhundert bestehen bleibt.